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Hochzeitsfotografie ist einfach

Nicht nur in letzter Zeit, aber in letzter Zeit immer häufiger passiert es mir, dass ich – manchmal ungewollt – Gespräche von “Fotografenkollegen” mitbekomme. Fast immer sind es die, die keine halbwegs ansehnlichen Bilder zustande bringen, die man länger als eine Sekunde betrachten möchte. Sie selbst sind sich dessen auch durchaus bewusst, das beweisen eigene Aussagen wie “Ich bin ja noch am Anfang” und “Menschenfotografie ist nicht so mein Spezialgebiet”. Im Verlauf solcher Gespräche hört man dann aber auch einen Satz, der mir persönlich meist einen gerade noch unterdrückbaren Brechreiz erzeugt: “Ich biete jetzt auch Hochzeitsfotografie an. Da kann man jetzt in der Saison richtig gutes Geld verdienen. Und ich kann ja günstiger sein, als die Profis” .

Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich die Ruhe selbst bin, aber andererseits auch niemals ein Blatt vor den Mund nehme, wenn mir etwas “gegen den Strich” geht. Nein, es geht mir nicht darum, dass mir irgend jemand Aufträge wegnehmen könnte. Ich fotografiere seit ziemlich genau zehn Jahren Hochzeiten und kann mich über einen Mangel an Anfragen beim besten Willen nicht beklagen. Ich habe auch nichts gegen junge, ambitionierte Fotografen, die den spannenden und interessanten Bereich der Hochzeitsfotografie kennen und schätzen lernen möchten. Ja, ich “züchte” mir die zukünftigen “Mitbewerber” sogar selbst heran, indem ich den Jungs und Mädels zum Beispiel anbiete, mich bei meinen Hochzeitsreportagen zu begleiten und mir über die Schulter zu sehen und selbst zu fotografieren.

Hochzeitsfotografie Bonn

Aber gut, darum ging es nicht. Was mir richtig – ich drücke das jetzt mal einfach so aus – auf den Sack geht, ist diese Einstellung “ich habe eine Kamera, ich darf mich Fotograf nennen, also mache ich jetzt einfach mal das, womit Andere auch Geld verdienen”. Ich gönne jedem Erfolg, Geld und was auch immer. Wer mir bei der ganzen Entwicklung richtig leid tut, sind die Hochzeitspaare. Sie bereiten den Tag ihrer Hochzeit lange vor, laden Gäste ein, versuchen, alles so schön wie möglich zu gestalten und möchten sich an dieses schöne Ereignis möglichst Jahre oder gar Jahrzehnte in Erinnerung behalten. Vielleicht nach zwanzig gemeinsamen Ehejahren noch einmal ein wunderschönes Fotobuch ansehen und all die Momente der Eheschließung mit allem Drumherum noch einmal erleben.

Und es ist nicht nur allzu oft vorgekommen – und es kommt immer noch vor – dass im Nachhinein der ganze Hochzeitstag Ärger und Wut hervorruft, weil es der günstige, unerfahrene, aber ambitionierte “Hochzeitsfotograf” nicht geschafft hat, die Emotionen, die Momente festzuhalten, die diesen Tag ausgemacht haben. Hochzeit ist kein Theater, kein Kino. Sie ist live und nicht wiederholbar. (Fast) jedes andere Fotoshooting lässt sich wiederholen, wenn die Ergebnisse in Form der entstandenen Fotos nicht dem Geschmack der Protagonisten entsprechen. Aber eine Hochzeit? Selten… Und das Besondere, das einen Moment und die vielen Emotionen ausmacht, lässt sich selbst mit der besten Bildbearbeitung nicht “hineinzaubern”.

Tja, schade, liebe Hochzeitspaare, wenn ihr euch bei allem noch so sehr Mühe gegeben, viel Geld ausgegeben habt, aber beim Hochzeitsfotografen sparen wolltet. Aber schließlich hat’s ja einer für 200,- Euro angeboten. Geiz ist nicht geil. Für manche ist Geiz vielleicht nett, aber nett ist die kleine Schwester von Scheiße. Wobei… Geld ist nicht das Wichtigste bei der Wahl des Fotografen. Sein Bildstil muss euch gefallen, und vor Allem: Die Chemie muss stimmen! Ich persönlich mache keinen Termin für eine Hochzeitsbegleitung, ohne das zukünftige Ehepaar vorher kennen gelernt zu haben. Gut, meist werden aus einem Vorgespräch mal schnell zwei oder drei Stunden, aber es macht Spaß, man lernt sich kennen, geht locker miteinander um. Und genau das braucht es, um am Tag der Hochzeit als Fotograf nicht nur dabei zu sein, sondern mitten drin, obwohl man meist im Hintergrund ist.

Langweilige Hochzeiten? Be creative!

Hochzeiten müssen nicht langweilig sein. Die Hochzeitssaison 2012 ist Geschichte. Naja, eigentlich wird sie nie wirklich Geschichte werden. Keine Hochzeitssaison wird jemals Geschichte werden. Weil? Weil jede Hochzeit, jede Braut, jeder Bräutigam, jeder Gast, jeder Moment, ja einfach Alles jedesmal einzigartig und besonders ist. Für alle, die dabei sind und gerade auch für mich als Hochzeitsfotograf.. Nicht nur, dass es jedesmal wieder toll ist, die Freude und die Emotionen zu spüren und erleben zu dürfen, die an an einem solchen Tag in der Luft liegen. Ich lerne auch jedes Mal. Neue Leute kennen, neue Bräute Bräuche, neue Locations, neue Sichtweisen… Ach, einfach so vieles, und es macht nach all den Jahren immer noch einen Riesenspaß.

Vieles ist mir auch im letzten Jahr wieder aufgefallen. Zum Beispiel, dass die Modefarbe des Hochzeitskleides seit Jahren die gleiche ist. Man nennt sie Elfenbein, Champagner, Ivory, Eierschale (oder doch nicht?), Creme und was weiß ich. Im Prinzip ist es immer die gleiche Farbe, nur bekommt sie immer wieder neue Namen. Der Renner in 2012 war glaube ich New Ivory, also “neues Elfenbein”. Wieso eigentlich? Wird altes Elfenbein eher gelb, oder stinkt es vielleicht mit der Zeit? Keine Ahnung. Es muss halt immer mal wieder ein neuer Name her, damit es auch interessant bleibt. Dabei ist ja die traditionelle Farbe für Brautkleider in Europa und der westlichen Welt eigentlich weiß. Weiß steht im Ursprung für Reinheit und sexuelle Unberührtheit. Was ein Blödsinn! Wer bitteschön – außer vielleicht ein paar wenige Totalverweigerer und Aufsparer mit extremeren religiösen Ansichten – hatte heutzutage noch keinen Sex vor der Ehe? (Drum prüfe, wer sich ewig bindet…)

 Hey Bräute! Hallo? Es gibt so vieles, das nicht jede andere Braut auch hat und schon vor Jahrzehnten hatte! Es gibt so tolle Farben und Designs wie zum Beispiel Brautkleider mit roten Details, Corsagen oder gar ganz in Rot. Kreationen in dunklem Burgunderrot oder einem warmen Weinrot. Edles Schwarz oder Dunkelblau sehen so hammergeil aus. Warum traut ihr euch nicht, Mädels? Macht es anders, weg von den ausgetretenen Wegen hin zu einem einzigartigen Look and Feel, einem Event, das weder ihr noch eure Gäste jemals vergessen werden. Los jetzt!

Hochzeiten

Aber nicht nur bei den Farben von Hochzeitskleidern kann man kreativ und einzigartig sein. Natürlich ist das Ganze auch auf den Anzug des Bräutigams anwendbar. Dazu dürft ihr euch aber gefälligst selbst Gedanken machen… Wo wir gerade dabei sind: Lasst euch doch auch mal für die ganze Hochzeit, die Zeremonie, die Location, die Deko… etwas Ausgefallenes einfallen. Natürlich hat jede Location ihren ganz besonderen, eigenen Reiz. Ob romantisches Schloss, herrschaftliche Burg oder stylishes Loft, oder die Rundturnhalle der Dorfschule. Aber… Warum nicht mal eine Scheune voller Heuballen beim Bauern für die standesamtliche Trauung? Verzichtet einfach auf starre Programmpunkte. Ihr, Braut und Bräutigam steht an eurem großen Tag im Mittelpunkt. Basta. Standesbeamte kommen heutzutage (fast) überall hin…

Ach… Ich hätte soooo viele ausgefallene, ausgeflippte, vielleicht auch bescheuerte Ideen… Vielleicht sollte ich ja Weddingplaner werden… Ach nee, Fotos machen ist doch schon eher mein Ding und im Endeffekt weniger stressig, glaube ich. Traut euch einfach. Nein, nicht nur Ja zu sagen, das macht ihr ja eh. Traut euch, anders zu sein. Gummistiefel oder Chucks unter’m Hochzeitskleid sind nichts Neues mehr. Braut und Bräutigam tauschen die Klamotten beim Brautpaarshooting? Schon da gewesen, trotzdem immer wieder ausgefallen… Hochzeiten müssen nicht langweilig sein!

[to be continued]

Das „Hochzeits-Business“

Heute möchte ich einmal nicht auf den fotografischen Teil der “Hochzeitsindustrie” eingehen. Ich möchte vielmehr ein paar Gedanken in Worte fassen und mich darauf konzentrieren, was aus der Hochzeitszeremonie geworden ist. Die Vereinigung zweier Menschen, die Heirat zweier Seelen, um Eine zu werden. Ich bin der Meinung, es muss sich etwas ändern, damit der Tag der Hochzeit wieder zu dem werden kann, was er ursprünglich ist: Dem schönsten Tag im Leben zweier Menschen.

Ich habe viel über die Hochzeiten nachgedacht, die ich in der Vergangenheit fotografieren durfte und darüber, wie der Ablauf war, und ich habe realisiert, dass viele der Hochzeiten, die ich fotografiert habe, nicht mehr als ein Fließband zu sein schienen. Angefangen bei der morgendlichen Prozedur, sich um Haare und Make-Up zu kümmern, bis zum Kleid und dem Gang zum Altar. Schnell, schnell, alles muss seinen geplanten Ablauf haben. Dann zu einer mit verrückten Aktionen gefüllten Feier. Am Ende eines solchen Tages verlasse auch ich die Feier, immer noch aufgewühlt von Allem, was so den Tag über passiert ist.

Doch letzte Nacht, als ich über die Emotionen einer Hochzeit nachdachte und über ein paar Dinge, die eine amerikanische Kollegin gesagt hat, wurde mir bewusst, dass sich etwas ändern muss. Ich will kein Teil der Kommerzialisierung von Hochzeiten sein.

Viele Menschen tragen mit Schuld daran, jeder Verkäufer, jeder Planer, jedes Familienmitglied, mit dem Braut und den Bräutigam zu tun haben, trägt Schuld daran, jede Bewegung zu pushen, zu manipulieren. “Schnell, Beeilung, wir haben nur ein paar Minuten, die Leute warten, los los los, schnell, holt euer Zeug, ihr habt nur eine halbe Stunde.”

Und letzte Nacht habe ich gedacht STOP!

Etwas, das ich “meinen Bräuten” immer wieder sage ist: “Heute dreht sich alles um dich, heute wirst du deinen Seelenverwandten heiraten, und hoffentlich wirst du das niemals bereuen und nie wieder tun. Ich will, dass du Pause machst, wann immer du willst, dass du den Leuten um dich herum sagst, sie sollen still sein, und dass du alles in dich aufnimmst, denn dies ist dein Tag… Nimm es in dir auf und genieße es, denn es wird schneller vorbei sein, als du dir vorstellen kannst. Gott sei Dank gibt es Fotografen, die dir helfen, das zu sehen, was du nicht gesehen hast.“

Ich kann mich ehrlich gesagt nicht an den letzen Hochzeitsplaner erinnern, der einer Braut gesagt hat, sie soll sich fünf bis zehn Minuten mit ihrem Vater nehmen, bevor sie zum Altar schreitet. Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, bei dem wir nicht rumgehetzt wurden, um 30 Minuten von Bildern in weniger als 10 zu machen. Ich erinnere mich gut an die letzten Worte im Hinterzimmer, Okay, wenn wir zurück sind, müssen wir den Kram hier raus schaffen, wir müssen um 12.30 Uhr hier raus sein…

Das gefällt mir nicht. Nun, ich kann eine Menge Fotos, für die ich 30 Minuten brauchen würde, auch in 10 schaffen, ich würde es zwar lieber nicht tun, aber ich kann es. Aber was ist mit diesen letzten Augenblicken mit deinem Vater, deiner Mutter, deinen Schwestern… was ist mit dem Gang zum Altar? Was ist mit dem Gang zurück!

Ich sage, lasst uns das Verwöhnen von Braut und Bräutigam zurückgewinnen. Lasst die Emotionen und Reaktionen zurück in dieses “Business” kommen. Einem Pärchen kann ich nur raten, keinen Ort zu wählen, an dem ihr rumgehetzt werdet, sondern einen, an dem sich wirklich darauf konzentriert wird, was vor sich geht. Und Schande über all die Kirchen, die nicht mehr sind als kommerzielle Hochzeitsverkäufer.

Liebe Brautleute: An eurem Hochzeitstag geht es nur um euch, um die Braut, den Bräutigam, um eure letzen Augenblicke als alleinstehende Frauen und Männer, und die Vereinigung eurer Seelen. Es geht um die Augenblicke mit euren Eltern und um das wundervolle Ereignis, das sich Hochzeit nennt.

Auch so kann ein Hochzeits-Shooting aussehen.

Mein Ziel des Jahr ist es zu lernen, meinen Bräuten immer zu sagen TUT ES, nehmt den Moment, macht euch keine Sorgen, atmet tief durch und erinnert euch an alles was passiert, und lasst euch von niemandem hetzen, bis ihr dazu bereit seid, euch zu bewegen. Wenn es ihnen nicht passt, sagt ihnen, der Fotograf hat euch gesagt, ihr sollt es so machen. :-)

Meistens, wenn ich mich mit zukünftigen Hochzeitspaaren hinsetze, haben sie schon alles gebucht. Sie sagen mir, wie viel Zeit ich habe und generell stimme ich allem zu. Ich würde es toll finden, meine Paare zu treffen, bevor sie alles gebucht haben, und ihnen sagen wofür es sich lohnt, sich Zeit zu nehmen. Nicht nur Zeit zum Fotografieren, auch Zeit mit dem Vater, der Mutter, Zeit, innezuhalten und tief durchzuatmen, einfach atmen…

Es ist Zeit, das “Hochzeits-Business” wieder zu dem zu machen, was es eigentlich ist: Eine Hochzeitszeremonie.
Es ist Zeit, sich für die Liebe einzusetzen und der Kommerzialisierung zu sagen, sie muss eine Pause machen.
Und wenn niemand zuhört, findet jemanden, der es tut!

Veränderung kommt… Und ich kann kaum noch darauf warten, sie mit meiner Kamera festzuhalten!

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