Hochzeit Swisttal

Das „Hochzeits-Business“

Heute möchte ich einmal nicht auf den fotografischen Teil der “Hochzeitsindustrie” eingehen. Ich möchte vielmehr ein paar Gedanken in Worte fassen und mich darauf konzentrieren, was aus der Hochzeitszeremonie geworden ist. Die Vereinigung zweier Menschen, die Heirat zweier Seelen, um Eine zu werden. Ich bin der Meinung, es muss sich etwas ändern, damit der Tag der Hochzeit wieder zu dem werden kann, was er ursprünglich ist: Dem schönsten Tag im Leben zweier Menschen.

Ich habe viel über die Hochzeiten nachgedacht, die ich in der Vergangenheit fotografieren durfte und darüber, wie der Ablauf war, und ich habe realisiert, dass viele der Hochzeiten, die ich fotografiert habe, nicht mehr als ein Fließband zu sein schienen. Angefangen bei der morgendlichen Prozedur, sich um Haare und Make-Up zu kümmern, bis zum Kleid und dem Gang zum Altar. Schnell, schnell, alles muss seinen geplanten Ablauf haben. Dann zu einer mit verrückten Aktionen gefüllten Feier. Am Ende eines solchen Tages verlasse auch ich die Feier, immer noch aufgewühlt von Allem, was so den Tag über passiert ist.

Doch letzte Nacht, als ich über die Emotionen einer Hochzeit nachdachte und über ein paar Dinge, die eine amerikanische Kollegin gesagt hat, wurde mir bewusst, dass sich etwas ändern muss. Ich will kein Teil der Kommerzialisierung von Hochzeiten sein.

Viele Menschen tragen mit Schuld daran, jeder Verkäufer, jeder Planer, jedes Familienmitglied, mit dem Braut und den Bräutigam zu tun haben, trägt Schuld daran, jede Bewegung zu pushen, zu manipulieren. “Schnell, Beeilung, wir haben nur ein paar Minuten, die Leute warten, los los los, schnell, holt euer Zeug, ihr habt nur eine halbe Stunde.”

Und letzte Nacht habe ich gedacht STOP!

Etwas, das ich “meinen Bräuten” immer wieder sage ist: “Heute dreht sich alles um dich, heute wirst du deinen Seelenverwandten heiraten, und hoffentlich wirst du das niemals bereuen und nie wieder tun. Ich will, dass du Pause machst, wann immer du willst, dass du den Leuten um dich herum sagst, sie sollen still sein, und dass du alles in dich aufnimmst, denn dies ist dein Tag… Nimm es in dir auf und genieße es, denn es wird schneller vorbei sein, als du dir vorstellen kannst. Gott sei Dank gibt es Fotografen, die dir helfen, das zu sehen, was du nicht gesehen hast.“

Ich kann mich ehrlich gesagt nicht an den letzen Hochzeitsplaner erinnern, der einer Braut gesagt hat, sie soll sich fünf bis zehn Minuten mit ihrem Vater nehmen, bevor sie zum Altar schreitet. Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, bei dem wir nicht rumgehetzt wurden, um 30 Minuten von Bildern in weniger als 10 zu machen. Ich erinnere mich gut an die letzten Worte im Hinterzimmer, Okay, wenn wir zurück sind, müssen wir den Kram hier raus schaffen, wir müssen um 12.30 Uhr hier raus sein…

Das gefällt mir nicht. Nun, ich kann eine Menge Fotos, für die ich 30 Minuten brauchen würde, auch in 10 schaffen, ich würde es zwar lieber nicht tun, aber ich kann es. Aber was ist mit diesen letzten Augenblicken mit deinem Vater, deiner Mutter, deinen Schwestern… was ist mit dem Gang zum Altar? Was ist mit dem Gang zurück!

Ich sage, lasst uns das Verwöhnen von Braut und Bräutigam zurückgewinnen. Lasst die Emotionen und Reaktionen zurück in dieses “Business” kommen. Einem Pärchen kann ich nur raten, keinen Ort zu wählen, an dem ihr rumgehetzt werdet, sondern einen, an dem sich wirklich darauf konzentriert wird, was vor sich geht. Und Schande über all die Kirchen, die nicht mehr sind als kommerzielle Hochzeitsverkäufer.

Liebe Brautleute: An eurem Hochzeitstag geht es nur um euch, um die Braut, den Bräutigam, um eure letzen Augenblicke als alleinstehende Frauen und Männer, und die Vereinigung eurer Seelen. Es geht um die Augenblicke mit euren Eltern und um das wundervolle Ereignis, das sich Hochzeit nennt.

Auch so kann ein Hochzeits-Shooting aussehen.

Mein Ziel des Jahr ist es zu lernen, meinen Bräuten immer zu sagen TUT ES, nehmt den Moment, macht euch keine Sorgen, atmet tief durch und erinnert euch an alles was passiert, und lasst euch von niemandem hetzen, bis ihr dazu bereit seid, euch zu bewegen. Wenn es ihnen nicht passt, sagt ihnen, der Fotograf hat euch gesagt, ihr sollt es so machen. :-)

Meistens, wenn ich mich mit zukünftigen Hochzeitspaaren hinsetze, haben sie schon alles gebucht. Sie sagen mir, wie viel Zeit ich habe und generell stimme ich allem zu. Ich würde es toll finden, meine Paare zu treffen, bevor sie alles gebucht haben, und ihnen sagen wofür es sich lohnt, sich Zeit zu nehmen. Nicht nur Zeit zum Fotografieren, auch Zeit mit dem Vater, der Mutter, Zeit, innezuhalten und tief durchzuatmen, einfach atmen…

Es ist Zeit, das “Hochzeits-Business” wieder zu dem zu machen, was es eigentlich ist: Eine Hochzeitszeremonie.
Es ist Zeit, sich für die Liebe einzusetzen und der Kommerzialisierung zu sagen, sie muss eine Pause machen.
Und wenn niemand zuhört, findet jemanden, der es tut!

Veränderung kommt… Und ich kann kaum noch darauf warten, sie mit meiner Kamera festzuhalten!

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